Tipps und Materialien von klicksafeCybermobbing – rechtzeitig erkennen und handeln

Rund 17 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben schon Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. klicksafe informiert, wie Eltern und pädagogische Fachkräfte Betroffene unterstützen können und welche vorbeugenden Maßnahmen helfen.

Beinahe jede fünfte Schülerin bzw. jeder fünfte Schüler (16,7 Prozent) zwischen acht und 21 Jahren wurde bereits Opfer von Cybermobbing. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Cyberlife IV – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“ des Bündnis gegen Cybermobbing. Wenn Jugendliche von Mobbing betroffen sind, kann man davon ausgehen, dass dies sowohl analog (Mobbing) als auch digital (Cybermobbing) stattfindet, denn die analoge und digitale Welt von Kindern und Jugendlichen überschneiden sich nahtlos und müssen daher gemeinsam betrachtet werden. Die Folgen für die Betroffenen sind gravierend. Leistungseinbrüche, Gewaltfantasien, Rückzug, Depression, Suizidgedanken und psychosomatische Reaktionen zeigen die große Belastung der Betroffenen. Im Unterschied zu analogem Mobbing kann Cybermobbing schnell große Personenkreise erreichen und wirkt nachhaltig, weil das Netz nicht vergisst. In besonders schlimmen Fällen stehen Betroffene von Cybermobbing rund um die Uhr unter Stress. Die eigenen vier Wände bieten keinen Rückzugsraum vor Attacken, die sie über Messenger-Chats oder Social-Media-Netzwerke erreichen. Weitere Unterschiede und Besonderheiten haben wir für Sie in unserem Cybermobbing-Themenbereich zusammengefasst.

Wie kann man Cybermobbing vorbeugen?

Einen vollständigen Schutz gegen Cybermobbing gibt es leider nicht. Mit präventiven Maßnahmen können Sie versuchen, bestmöglich vorzubeugen. Häufig findet Cybermobbing im schulischen Kontext statt. Es ist daher wichtig, dass Schulen Cybermobbing im Unterricht thematisieren und wissen, wie sie im Anlassfall schnell und richtig reagieren können. Das Themenfeld Cybermobbing ist eng mit weiteren Themen und Kompetenzen verknüpft, die ebenfalls besprochen werden müssen: Datenschutz und Datensparsamkeit, Regeln zur digitalen Kommunikation (Klassenchats) und soziale Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Toleranz und Respekt.

Eltern sollten die Online-Aktivitäten ihrer Kinder eng begleiten und sich kontinuierlich mit den technischen Entwicklungen und Trends auseinandersetzen.

Um Cybermobbing bestmöglich zu verhindern, sollte man sich über mögliche Warnzeichen und Möglichkeiten zur Vorbeugung informieren. Anschließend sollte man dieses Wissen an Kinder weitergeben. Ein regelmäßiger Austausch über Medienerfahrungen in Familie und Schule oder Gespräche mit anderen Eltern sind ebenfalls sinnvoll.

Gemeinsam verabredete Regeln haben für die sichere Mediennutzung eine große Bedeutung. So wissen Kinder, was erlaubt ist und worauf man bei der Internetnutzung achten sollte. Hier kann ein zwischen Eltern und Kindern geschlossener Vertrag (siehe www.mediennutzungsvertrag.de) helfen.

Auch jüngere Internetnutzer*innen sollten nicht nur die eigenen, sondern auch die Rechte anderer beachten. Hierzu gehört, dass ohne Erlaubnis der abgebildeten Personen persönlichen Informationen, Bilder oder Filme nicht verbreitet werden dürfen („Recht am eigenen Bild“).

Wie kann man Betroffene von Cybermobbing unterstützen?

Wird ein Fall von Cybermobbing bekannt, sollte es zunächst darum gehen der betroffenen Person zu helfen. Überlegen Sie erst danach was genau die Konsequenzen für die Täter*innen und ggf. weitere Beteiligte sind. Geben Sie der betroffenen Person auf keinen Fall eine Mitschuld an dem Mobbing. Sie können natürlich gemeinsam mit der betroffenen Person überlegen, ob es Wege gegeben hätte, eine Mobbing-Attacke zu vermeiden. Diese Fragen sollten jedoch erst besprochen werden, wenn genug Zeit vergangen ist und die betroffene Person genug Abstand zum Erlebten aufbauen konnte.

Opfern von Mobbing und ihren Angehörigen fällt es oft schwer, sich nicht direkt zu wehren. Jedoch sollte nicht sofort auf die beleidigende Inhalte geantwortet werden. Ansonsten droht die Gefahr, dass sich die Beleidigungen immer weiter hochschaukeln. Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren, bevor die nächsten Schritte geplant werden.

Wenn die Inhalte direkt an das Opfer gesendet werden oder im Internet frei zugänglich sind, sollten die Cybermobbing-Vorfälle dokumentiert werden. Das geht zum Beispiel über Screenshots oder das Speichern von Nachrichten. So kann das Mobbing später belegt werden.

Bei Smartphones, in Sozialen Netzwerken, Messenger-Apps oder E-Mail-Programmen kann man Nummern bzw. Kontakte gezielt blockieren oder melden. Beleidigungen, Hass-Postings und gemeine Bilder können außerdem häufig direkt in den Diensten gemeldet werden, in denen sie auftauchen.

Hier droht die Gefahr, dass sich Eltern schützend vor ihr Kind stellen und sich die Fronten dauerhaft verhärten. So kann eine Lösung erschwert oder unmöglich werden. Besser ist es, eine emotional weniger beteiligte Person als Vermittler mit einzubeziehen und sich im Vorfeld ausreichend zu informieren.

In schweren Fällen ist es ratsam, die Polizei einzuschalten und Anzeige zu erstatten. Beim gezielten Vorgehen hilft es zudem, über die Rechtslage Bescheid zu wissen. Informationen haben wir in unserem Themenbereich-Cybermobbing zusammengestellt.

Was tun, wenn das Kind Täter*in ist?

Wenn Eltern feststellen, dass ihr Kind aktiv an Mobbing oder Cybermobbing beteiligt ist, sollten sie umgehend und mit kühlem Kopf reagieren. Folgende Tipps können Eltern sowie Pädagog*innen dabei helfen.

Versuchen Sie, die Beweggründe für das Mobbing herauszufinden. Warum hat das Kind online gemobbt? War es selbst bereits betroffen von Mobbing? Steht es unter Druck, beim Mobbing mitzumachen? In einigen Fällen sind Täter*innen von Cybermobbing zunächst der Annahme, es wäre doch alles nicht so gemeint oder nur ein Scherz gewesen. Hierbei kann es helfen, über die Besonderheiten der digitalen Kommunikation zu sprechen. Dem Kind muss klar sein, dass am anderen Ende immer ein Mensch mit echten Gefühlen sitzt.

Machen Sie dem Kind klar, was es mit seinem Verhalten anrichtet. Hierbei hilft es sich vorzustellen, wie man selbst auf solche Handlungen reagieren würde (Perspektivwechsel). Es muss ein Verständnis dafür entstehen, dass das eigene Handeln bei einem anderen Menschen Leid ausgelöst hat.

Fordern Sie das Kind klar und eindeutig dazu auf, das Cybermobbing sofort zu beenden. In einem zweiten Schritt sollte gemeinsam überlegt werden, wie die entstandene Situation beendet und gelöst werden kann. Bei wem sollte man sich entschuldigen und in welcher Form? Welche Beiträge können gelöscht, welche Bilder zurückgezogen werden? Wie kann mit Lehrkräften gesprochen werden?

Materialien für Eltern, Pädagog*innen und Jugendliche

Die Tipps auf dieser Seite sollen nur als erste Information und zur schnellen Hilfe dienen. In unseren Materialien und in unserem Themenbereich Cybermobbing finden Sie umfangreichere Informationen sowie weitere Tipps und Hilfestellungen.

Hilfsangebote für Kinder und Eltern

www.nummergegenkummer.de | Das Kinder- und Jugendtelefon der „Nummer gegen Kummer“ ist unter der Nummer 116111 montags bis samstags von 14 – 20 Uhr zu erreichen. Die Anrufe sind kostenlos und anonym. Die Online-Beratung per Mail ist rund um die Uhr erreichbar. Die Beratung per Chat ist mittwochs und donnerstags von 14 – 18 Uhr möglich. Das Elterntelefon ist montags bis freitags von 9 – 17 Uhr und dienstags und donnerstags bis 19 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 – 1110550 zu erreichen.

www.juuuport.de | Auf der Internetplattform JUUUPORT finden Jugendliche bei internetbezogenen Fragen oder Problemen Hilfe. Das Besondere an JUUUPORT ist, dass die Hilfe von anderen Jugendlichen kommt, die als Scouts dafür ausgebildet wurden.

www.bke-jugendberatung.de und www.bke-elternberatung.de | Auf den Webseiten der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (bke) finden Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren und Eltern kostenlose und anonyme Beratung zu Erziehungsfragen oder bei Problemen.